DE LIRIO

Eröffnung Freitag, den 22.07. um 18h
Galerie Graubach five, Frankfurt.

Für De Lirio wird sie zum Beispiel und Vorbild: Margarete Mead, einer Pionierin im Feld der Anthropologie. Sie reiste in den 1920er Jahren nach Samoa und später vor allem nach Neu-Guinea, wo sie es wagte - eine weiße junge Frau des Westens - alleine unter Kannibalen  und in sogenannten ‚primitiven’ Stämmen und zu leben. Sie gewann tiefe Einblicke in die Lebensgewohnheiten, kultischen Bräuche und sozialen Strukturen dieser von der westlichen Zivilisation damals noch wenig berührten Gemeinwesen. 

Die uns alle heute immer noch innewohnende Sehnsucht nach dem Andersartigen, aber auch nach dem ‚Fremden in uns‘, möchten wir im De Lirio - Raritätenladen erfüllen. Bei uns soll jedes Bedürfnis seinen Fetisch finden.  

Seien Sie neugierig! Kommen Sie und werden Sie fündig!

Konzept: Caro Suerkämper
                                                                      

Angelika Arendt / Heike Kati Barath / Peter Böhnisch / Caro Bittermann / Conni Brintzinger / Peter Duka / Tom Dzieran / Die Weissenhofer: Matthias Beckmann, Jörg Mandernach, Uwe Schäfer / Tim Ernst / Tom Früchtl / Crislogo Furtado / Sabine Gross / Sebastian Gögel / Florian Haas / Bernhard Härtte / Margarete Hahner / Heike Hamann / Gabi Hamm / Paule Hammer / Stef Heidhues / Vanessa Henn / Irène Hug / Nico Ihlein / John Isaacs / Susanne Jung / Michael Kalmbach / Stefan Kaminski / Isabel Kerkermeier / Katia Kelm / Heike Kelter / Julia Kissina / Karen Koltermann / Svenja Kreh / Dirk Lebahn / Marko Lehanka / Nikolaus List / Catherine Lorent / Isa Melsheimer / Iris Musolf / Julia Oschatz / Nicole van den Plas / Katrin Plavcak / Livia Polidoro / Thomas Ravens / Gunnar Reski / Stefan Rinck / Agnes Rosse / Fred Rubin / Christoph Ruckhäberle / Manfred Schneider / Veronika Schumacher / Michael Schultze /Ulrika Segerberg / Heidi Sill / Martin Städeli / Ernst Stark / Tine Steen / Marc Soisson / Astrid Stricker / Caro Suerkemper /Alex Tennigkeit / Pierre Tilman / Rebecca Thomas / Peter Torp / Kata Unger / Annika van Vugt / Albert Weiss / Martin Wellmer / MajaWeyermann / Andrea Wilks / Stephen Wilks / Barbara Wille                                                                       

Galerie BRAUBACHfive
Marcela Munteanu
Braubachstr. 5
D-60311 Frankfurt



Meine Geliebten (My Lovers) at gallery Hübner & Hübner, October 2015

6 stehende Akte

XXXVI

Meine Geliebten XXXVI at gallery Hübner & Hübner (60 x 120 cm, 2015)

Meine Geliebten (My Lovers): Gallery Hübner & Hübner, 09.10. - 13.11.2015

Meine Geliebten XXXV, 2015, 60 x 130 cm, Öl auf Leinwand

Eröffnung: Freitag 09.10 um 18 Uhr. Künstlergespräch mit Prof. Johannes Spehr um 19.15 Uhr

 

Galerie Hübner und Hübner

Grüneburgweg 71

60323 Frankfurt/Main

Erhard Metz: "Annika van Vugt: 'Meine Geliebten' im Frankfurter 1822-Forum"

aus dem FEUILLETON FRANKFURT/ 02.2015

zum Text

Annika und Marc

Meine Geliebten XXIX (2014), Annika van Vugt and Marc Goymann

Jean-Christophe Ammann

"Es geht nicht um die Schönste im ganzen Land"

„Ich dachte an das gespräch mit Nadjenka noch in Bern. ich sah sie unverwandt an dabei, wusste nicht, was mich an ihr so anzog. Nadjenka lacht, wenn sie richtig lachen kann, im flug. die langen hellen haare gehen mit ihr durch, ihre zähne überstrahlen die wolken. während wir sprachen, lagerte sich die bräunliche haut an ihrem hals unverrückbar in mir ab, und, ohne dass ich es wusste, war ich mir sicher, dass es möglich war, mich in sie zu betten. nie hätte ich damals so etwas zu ende gedacht! das gefühl, sie schon zu kennen, von früher um sie zu wissen, verstärkte sich mit der zeit.“[1] 

Die Bildnisse sind auf Blickkontakt gemalt. Sie schauen die Malerin an. Giulio Paolini hat das 1967 genau realisiert: Auf Fotoleinwand reproduzierte er im Massstab 1:1 das kleine Bildnis eines Jugendlichen, gemalt von Giovanni Bellini, einem Maler der Renaissance. Er zog die schwarzweisse Fotoleinwand auf einen Keilrahmen auf. Den Titel „Bildnis eines jungen Mannes“ ersetzte er durch den Titel „Jüngling, der den Maler anschaut.“ Diese Umkehrung trifft voll auf die Bildnisse von Annika van Vugt zu. Es sind Frauen, denen die Künstlerin begegnet ist, die sie kennt, die sich ihr anvertraut haben. Also keine Modelle, die sie im Internet recherchiert hat. Frauen, denen die Künstlerin ihre Absicht erklärt hat, die zu ihr ins Atelier gekommen sind. Annika van Vugt hat die Frauen mit nacktem Oberkörper auch als stehende Akte fotografiert. Die Fotos sind Arbeitsmaterial. Das Merkwürdige ist, dass die fotografische Vorlage fast immer vom gemalten Bild abweicht. Die Abweichung, durch den Transformationsprozess bedingt, überträgt das Begehren in die Malerei. In der Malerei emotionalisiert sich das Begehren als ein anderes. Das gemalte Bildnis – Öl auf Leinwand in unterschiedlichen Ausmassen – ist ein durch Erinnerungsschichten gebildeter Resonanzraum. Das kann auch wörtlich verstanden werden, weil das Trocknen einer Schicht Tage beansprucht. Jede neue Schicht verändert das Bild, verwandelt es auch. 

Die stehenden Akte erinnern an Zombies, als wären sie aus dem Hades zu uns in die Gegenwart zurückgekehrt, still, selbstbewusst, sich an sich selbst erinnernd. 

Jetzt kommt jemand und sagt: „Das ist rückwärts gewandte Malerei!“ Der, der das sagt, ist nicht Künstler, sondern ein „Kunstbeflissener.“ Eine junge Generation von Künstlern hat die Entwicklung der Moderne – sagen wir mal ab Kandinsky 1911 – hinter sich gelassen. Natürlich generiert sich die Erzählung durch filmische Möglichkeiten. Aber entscheidend ist folgende Tatsache: Je stärker der Digitalisierungsprozess und die Abrufbarkeit von Informationen jeglicher Art voranschreitet, desto ausgeprägter erfolgt der Rückgriff auf die Tradition. Tradition ist im besten Sinne vergegenwärtigte Vergangenheit. Tradition meint die Errungenschaft der abendländischen Kultur. Ihr eingeschrieben ist der nackte (weibliche) Körper, zur Tabuzone überall dort erklärt, wo westliche Wertvorstellungen nicht gelten. Betrachtet man die weltweit gestreuten Biennalen, so behält die "politische Korrektheit" die Oberhand. 

Die von Annika van Vugt praktizierte Umkehrung – im Sinne Paolinis – ist deshalb bemerkenswert, weil sie Kategorien auflöst und das Begehren in den Vordergrund stellt. Die Aneigung des Gegenstandes durch die Malerei ist keine Annäherung. Die nackten Brüste und der nackte Körper sind das physiognomische Pendant zum Antlitz.

 Könnte man sagen, dass sich die Malerin in den Gegenstand der Malerei verliebt? Ich glaube schon, weil die Aneigung Überraschungen in sich birgt. Es ist wie bei einem Schriftsteller, der sich beklagt, dass der eine oder andere Protagonist die Eigeninitiative ergreift und nicht vom Autor geplante Wege geht. Aber gerade dadurch kann er eine unerwartete, eine verführerische und begehrenswerte Seite offenbaren, die den Schatten des Zwiespältigen mit einschliesst. 

Die Bildnisse sind über den Zeitraum von einem Jahr entstanden. Annika van Vugt aber malt erst seit etwa zwei Jahren. 1983 geboren schloss sie ihr Studium in Erziehungswissenschaften ab. Sie hat sich die figürliche Malerei von der Pike an selbst beigebracht. Mit jedem neuen Bild ergab sich eine neue Erkenntnis, sowohl malerisch als auch auf die dargestellte Person bezogen. Das erklärt den Unterschied zwischen den Bildern. 

Manchmal sitzt Annika van Vugt lange vor einem Bildnis und fragt sich: „Wer ist das?“, „Wie ist es geworden?“ Sie will ihr Gefühl in den Bildnissen erkennen. Um dies zu erreichen, braucht es die Abweichung, die Eigengesetzlichkeit der Malerei, die innere Vorbereitung, sich auf ein Abenteuer einzulassen. Die Frau, die sie malt, muss die Malerei, die sie auffängt, lieben. 

Nochmals zur Umkehrung: Sie ist verflixter, als man glaubt. Vielleicht deshalb, weil sie nicht revolutionär – im Sinne der Avantgarden – sondern subversiv ist. Das hat auch mit unserem heutigen Denken zu tun. Wir schauen weniger in die Zukunft, nehmen uns vielmehr selbst ins Visier. Das Positive daran ist, dass wir uns nicht in läppischen Globalisierungsdiskursen verlieren, sondern uns auf die Tradition berufen. Dass wir in der Lage sind, verloren gegangene bildsprachliche Ressourcen mit neuen, gegenwärtigen Inhalten zu aktivieren. Inhalte, die jenseits formalästhetischer Referenzen unser Bewusstsein bestimmen. 

 


[1] Verena Stefan, „Häutungen“, München 1975, S.29

Annika van Vugt - meine Geliebten

Rebecca Leudesdorff

„Tausend Tode ist sie schon gestorben […] Und ihre kleinen Tode zeichnen dich.“

– über Identifikation in der Malerei Annika van Vugts

 Es könnte den Betrachtenden einfacher nicht gemacht werden: finden sie doch den Zugang zur Malerei durch geschultes Sehen und visuelles Gedächtnis des Formalen. Annika van Vugts „Geliebte“ erfüllen zunächst den Wunsch nach einfacher Lesbarkeit: Ölmalerei auf sich ähnelnden Formaten, der Anschnitt der Figuren stets unterhalb ihrer nackten Brust. Sie treten aus einem dunklen, flächigen Hintergrund hervor. Durch die schlichte Einteilung in Vordergrund (der Figur) und Hintergrund (des nicht ersichtlichen Raumes) wird die Figur zum zentralen Motiv. Mitnichten ist jedoch von Mustern der Wiederholung zu sprechen, die den Blick zu schnell sättigen, die Lust des Schauens unterbinden. Die feinen Ausarbeitungen der Figuren van Vugts bieten ein erstaunliches Spektrum von Ausdruck und Körperlichkeit, das fast schon einer analytischen Studie gleichkommt: weibliche Brüste in der Vielfalt ihrer ungeschönten Natürlichkeit – nackt, zart, schwer, groß, klein, hängend, prall, symmetrisch, asymmetrisch. Anzüglichkeit oder Sexualisierung hat keinen Platz, der Blick entspannt sich gegenüber dem überfrachteten sexualisierten Bildkatalog von Medien und Internet. Hinzu fügt sich die Gestik des Körpers: wenngleich fast steif und meist frontal oder nur leicht in sich gedreht, bildet sie stets eine unmittelbare Einheit. Die Blicke der dargestellten Frauen fordern ein genaues Hinsehen ein, die Fülle ihres Ausdrucks konstituiert das lustvolle Schauen: kühle, kecke, entschlossene, zufriedene, selbstbewusste, traurige, ängstliche, weiche, entrückte Blicke. Alle spürbaren Gefühle kulminieren in den Augen der Figuren.

 „Eine Seele, die durch die Augen zu sprechen vermag, kann auch mit Blicken küssen.“ (Gustavo Adolfo Becquer). Becquers beschriebener Empfindung entsprechend stellt die junge Malerin Annika van Vugt die Betrachtenden vor ihre Bilder. Sie gibt ihnen die Aufgabe, die Augen sprechen zu lassen und von tiefer Traurigkeit (XX, 2014) bis kesser Aufforderung (I, 2014) in ihre Welt einzutauchen, sich streicheln und küssen zu lassen von der zerbrechlichen Rohheit und Nacktheit ihrer Bilder.Der kunsthistorische Diskurs scheidet an dieser Stelle die Geister: Was von der Künstlerpersönlichkeit vermitteln Werke, bzw. dürfen sie überhaupt vermitteln? Ist es legitim, den Künstler/die Künstlerin in den Arbeiten zu suchen? Der aus der Literaturwissenschaft bekannten These vom ‚Tod des Autors’, wo jede Identität sich verlieren muss[1], steht die Person des Künstlers diametral gegenüber.Taucht man ein in das Namensregister, rattern Bilder im visuellen Gedächtnis vorbei, die in ihrer Fähigkeit zu berühren leicht mit Annika van Vugts Werken in Verbindung zu setzen sind: Maria Lassnigs durchtriebene Nacktheit, Marina Abramovićs unablässige Grenzgänge, Louise Bourgeois’ weiträumige Reflexion ihrer kindlichen Erfahrungen, oder etwa Cindy Shermans Identitätsfindung. Gleichwohl muss klar sein, dass nicht die Künstlerinnen in Vergleich gesetzt werden sollen, sondern ihr jeweiliger Umgang mit dem Sujet des eigenen Ichs, einer Identität, oder viel besser persönlichen Empathie.

Denn setzt man die "Geliebten“ in Bezug zur Malerin van Vugt in persona, kommt man nicht umhin, eine gewisse Ähnlichkeit zwischen ihr und den Figuren zu assoziieren. Durch Transfer ihrer individuellen Umstände auf die Figuren, schafft sie eine legitime Empathie zu ihrer Realität und bleibt in den Bildern auffindbar.

 Stehen die Portraits noch in der Tradition ihrer seriellen Eigenschaften und formalen Neutralität, so begibt sich Annika van Vugt mit den lebensgroßen Aktmalereien (XXVI -XXVIII, 2014) auf eine neue körpersprachliche Ebene. Drei Frauen stehen nun auf festem Boden, präsent im Bild mit auffällig veränderten Haltungen: die Hände in die Hüfte stemmend, die Arme hängend oder vor der Brust verschränkt. Gleichsam leiten die Figuren – wie die vorangegangenen Arbeiten – den Betrachtenden über den Blick in den Gemütszustand der Frauen. Das Format scheint mit den Figuren inhaltlich gewachsen und die nun gänzliche Körperlichkeit der Frau lässt eine Erweiterung der Wahrnehmung ihrer selbstbewussten Weiblichkeit zu. Die Akte zeugen von einer Entwicklung in Person und Persönlichkeit, Offenheit und Körperlichkeit: Geschlechtlichkeit wird in Gänze sichtbar, Standhaftigkeit der Figuren erfüllt die vorangegangenen Anschnitte.

Verbindlich bleibt, was verbindlich bleiben soll: die Malerin bleibt präsent und malt ihre Figuren durch tausend Tode hindurch. 



[1] Roland Barthes ordnet dem Schreiben den Raum zu, wo das Subjekt verschwindet, ein fotografisches Negativ entsteht; jede Identität ist verloren und dies beginnt mit der Identität desjenigen, der schreibt. Vgl. Roland Barthes: Der Tod des Autors. In: Fotis Jannidis (Hrsg.): Texte zur Theorie der Autorschaft. Stuttgart, 2000. S. 185–193.

Komposition

14.02.2015 - Komposition von Laura Maria Bastian, 18 Uhr (Foto nach Idee von Inge Kersting)

Laura Maria Bastian

Komposition: Panta rhei - alles fließt

In welchen Beziehungen stehen Leben, Tod und Transzendenz? Wo verlaufen die Grenzen? Kann man diese Grenzen immer begreifen? Welche Rolle spielt hierbei die Malerei und die Musik? Welches Leben leben wir? ...Leben wir?

Die Komposition von Laura Maria Bastian steht in direkter Auseinandersetzung mit der Malerin und ihrem Werk. Sie kommt am 14.02.2015 um 18 Uhr  in der Ausstellung "Meine Geliebten" zur Aufführung. 

Musiker: Diego Ramos Rodríguez (Violine I), Laura Cromm (Violine II), Nadja Benkendorf  (Viola), Elias Schomers (Violoncello)

Musik und Malerei, eine Begegnung

Konzert

Komposition von Laura Maria Bastian, die Musiker und Meine Geliebten XXIX (2014), 14.02.2015, Foto: Max Pauer